Bioplastik: Der schwierige Weg in die Supermärkte

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Trotz aller offener Diskussionspunkte zum Thema Bioplastik, verwundert es doch, dass Biokunststoffe nicht schon eine viel größere Relevanz für die industrielle Produktion haben, da es doch unbestreitbare Vorteilen gibt, wie z.B.

  • nachwachsende Rohstoffbasis oder biologische Abbaubarkeit 
  • neue und innovative Materialeigenschaften 
  • vielfältigere Einbindung in die Kreislaufwirtschaft (das Fraunhofer-Institut UMSICHT hat diesen Punkt informativ in diesem Video zusammengefasst) 

Warum ist die Schwelle für die Produzenten auf Alternativen zu setzen so hoch? Eine große Rolle spielt der Herstellungsprozess: Obwohl sich auch Biokunststoffe durch ähnliche Verfahren herstellen lassen, wie z.B. Extrusion, Blasformen, Spritzguss oder Thermoformung (siehe dazu auch https://www.ifbb-hannover.de/files/IfBB/downloads/Verarbeitung-von-Biokunststoffen-Internet_2016.pdf) müssen Produzenten außer bei den Drop-In Lösungen ihre etablierten Herstellungsprozess meist nicht nur anpassen , sondern vollständig neu erfinden. Denn bis alle Materialeigenschaften (von Fließfähigkeit über Flexibilität bis zur Reißfestigkeit) so eingestellt sind, dass es für den Anwendungsfall passt und auch bei der Verarbeitung der Kunststoff keine Qualitätsmängel zeigt, also z.B. Blasen wirft oder an den Transportbändern klebt, bis also die richtige Rezeptur gefunden ist, kostet es den Produzenten Geld, Zeit, ggf. neue Anlagen und viele Nerven. 

Zudem kommen viele neue Materialien trotz ihrer Weiterentwicklung immer noch nicht an die Eigenschaften der Derivate (Abkömmlinge) etablierter Standardkunststoffe (PE/PP/PS/PA) heran, was z.B. die Bruchfestigkeit, Temperatur- und Alterungsbeständigkeit, Sauerstoff- und Wasserdampfbarriere angeht – was insbesondere bei Verpackungen relevant ist. In vielen Fällen ist daher der Einsatz noch nicht möglich oder eine Kombination beider Kunststoffarten notwendig, wie z.B. ein Trägermodul aus Biokunststoff oder Papier mit konventioneller Beschichtungsfolie. Hieraus ergibt sich jedoch das Problem, dass die Materialien damit untrennbar miteinander verbunden sind und statt im Sinne der Kreislauf-Logik sie am Ende nur energetisch verwertet, d.h. verbrannt werden können.

Der Weg zu einer plastikmüllfreien Produktion ist also noch ein weiter und steiniger, aber die ersten Schritte sind gemacht. Um weiter voranzuschreiten, braucht es mehr angewandte Forschung zu Biokunststoffen, die ökologisch sinnvoll sind und die Materialeigenschaften von Standardkunstoffen noch besser ersetzen sowie rechtliche Rahmenbedingungen, die Produzenten in die Verantwortung für den kompletten Lebenszyklus ihrer Produkte nehmen. Darüber hinaus braucht es mutige Produzenten, die auch ohne Zwang durch gesetzliche Vorgaben den Weg in die Zukunft und damit in eine zirkuläre Wirtschaft mitgehen. 

Eine umweltschonenden Verpackung am Beispiel von Müsli

Ein Unternehmen, dass beispielsweise ein Müsli herstellt und vertreiben will braucht eine Verpackung des Müslis, die sowohl das Müsli trocken lagert, vor Feuchtigkeit schützt, allen Anforderungen der Lebensmittelverordnung entspricht und gleichzeitig als Werbebotschaft dient. Hersteller von konventionellen Verpackungsmaterialien sind auf diese Anforderungen eingestellt, haben entsprechende Maschinen für die am häufigsten nachgefragten Materialien und können dem Müslihersteller ein gutes Angebot machen. Weil der Müslihersteller nicht der einzige ist, der dieses Material anfordert, muss der Hersteller die Kosten für die Maschine nur minimal in den Preis einberechnen. Er hat belastbare Erfahrungswerte, wie viel Verschnitt er z.B. bei der Produktion zu erwarten hat. Würde er eine Alternative zu Plastik in sein Sortiment mit aufnehmen, müsste er neben den Entwicklungskosten vielleicht sogar eine neue Maschine kaufen, diese nach dem ‚Try and Error-Prinzip‘ einstellen und hätte noch keine Erfahrungswerte im Hinblick darauf, wie oft das neue Material bei der Produktion reißt oder sonstigen Ausschuss erzeugt. Bisher fragen nur wenige Kunden dieses Material an, deshalb schlägt er anteilige Kosten für die Maschine sowie mögliche Produktionsfehler auf den Preis drauf. 

Der Müslihersteller hat am Ende zwei sehr unterschiedlich teure Angebote auf dem Tisch liegen. Gehört es nicht zu seiner Nachhaltigkeitsstrategie, zwingen ihn keine Gesetze dazu seine Verpackung umzustellen, wird eine Plastikverpackung nicht teurer besteuert oder rechnet er nicht mit einem Zugewinn an Kundinnen und Kunden durch eine plastikfreie Verpackung – ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass er sich für das günstigere Angebot entscheidet. 

Plastik Fighter

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