Was bedeutet „kompostierbar“?

Die EN13432 legt als Norm der europäischen Union die Rahmenbedingungen dafür feste, welche Stoffe als Kompostierbar deklariert werden dürfen. Hierin ist definiert, dass dabei innerhalb von 12 Wochen 90% des Materials von Mikroben zu CO₂, Wasser und Mineralien umgesetzt werden müssen. ES dürfen maximal 10% des Materialgewichtes nach dieser Zeit noch vorhanden sein. Da die das Material zersetzenden Kleinstlebewesen allerdings nur unter bestimmten Rahmenbedingungen richtig aktiv und hungrig werden müssen auch diese Bedingungen deklariert werden. Es wird dabei unter 5 verschiedenen Klassen unterschieden:

  1. industrielle Kompostierung –
    In den Rotten (so heissen die zu Bergen aufgeschütteten Biomassen in der Fachsprache)  der Kompostierwerke herrschen nach einiger Zeit hohe Temperaturen zwischen 55 und 65°C, welche durch die wärmeerzeugenden Abbauprozesse entstehen, in diesem Klima, verbunden mit einer gleichbleibend hohen Feuchtigkeit, sind die Kleinstlebewesen sehr aktiv und können die biobasierten Kunststoffe gut angreifen. Die auf diese Weise kompostierbaren Materialien werden mit diesem Logo gekennzeichnet:

  2. Heim-Kompostierung
    Im heimischen Kompost werden aufgrund der kleineren Volumens des Materials und der nicht immer gleichen Witterungsbedingungen die hohen Temperaturen des industriellen Kompostierung nicht erreicht. Dadurch sind hier andere Mikroben an der Zersetzung des Biomaterialien beteiligt. Diese sind im Vergleich zu den Powermikroben jedoch nicht so aktiv, sodass der Abbau des gleichen Materials deutlich länger dauert als unter den Bedingungen der industriellen Kompostierung. Hierfür sind andere Produkte entwickelt worden, welche unter Heimkompostbedingungen ebenfalls in der vorgeschriebenen Zeit abgebaut werden.  Hierfür gibt es ebenfalls ein Logo zur Kennzeichnung:

  3. Soil-Kompostierung
    Hierunter versteht man die Fähigkeit von Materialien unter „normalen“ Umgebungsbedingungen von den Mikroben angegriffen zu werden und in die Grundbausteine zu zerfallen. Man kann es sich so verstellen, als ob ein vom Baum gefallenes Blatt verwest. In dieser Kategorie sind die Bedingungen jedoch sehr schwammig formuliert, da die „normalen“ Bedingungen an unterschiedlichen Orten unserer Welt natürlich abweichen. Ein Material, welches in unseren Breitengraden erfolgreich zersetzt werden kann, wird in der afrikanischen Sahelzone viel länger nachweisbar sein, da hier die Luftfeuchtigkeit viel geringer ist als bei uns. Um einen weltweiten Standard zu schaffen, sind hier noch diverse Nachjustierungen notwendig.
    Die Kennzeichnung der soil-kompostierbaren Materialien erfolgt mit diesem Logo:

  4. Marine Kompostierung (im Salzwasser)
    Da viele Kunststoffteilchen schon heute ins Meer gelangen, wo Sie lediglich durch Strömung, Sonne und mechanische Einflüsse zu mikroskopisch kleinen Stückchen zerkleinert aber nicht zersetzt werden, wurde auch eine Kategorie für Materialien erschaffen, welche im Salzwasser und damit unter Luftabschluss zersetzt werden. Hierfür sind ebenfalls spezielle Mikroben verantwortlich, welche auch nur im Salzwasser zu finden sind. Heute gibt es zwar nur sehr wenige Materialien, welche diese Zertifizierung haben, aber das zeigt, dass es möglich ist. Die Kennzeichnung erfolgt mit diesem Logo:

  5. Marine Kompostierung (im Süsswasser)
    Die höchste Stufe der Kompostierfähigkeit ist die Zersetzungsfähigkeit von Materialien im Süsswasser. Aktuell (Stand 09/2019) gibt es noch keine Materialien, welche diese Zertifizierung durchlaufen haben, ein Logo für die Kennzeichnung gibt es aber schon:

Wer sich gerne noch weiter vertiefen will, findet in der englischen Zusammenfassung der Association for Organics Recycling noch viele interessante Dinge: Link zum pdf
Auch das Bundesumweltamt hat vor 10 Jahren eine