Plastikfrei Produzieren

Was heißt plastikfrei Produzieren?

Um das gleich vorweg zu nehmen: 100 Prozent plastikfrei produzieren – auch wir sind realistisch genug zu sehen, dass das nicht möglich ist. Dafür ist Plastik in zu vielen Bereichen wie zum Beispiel der Medizintechnik nicht ohne Weiteres ersetzbar. Woran wir glauben: Plastikmüllfrei produzieren. Dazu gehört, Plastik als das zu betrachten, was es ist: ein sehr wertvoller Werk- und Wertstoff und mit Blick auf die enormen Umweltkosten, die er produziert auch ein volkswirtschaftlich sehr teurer. Wer das verinnerlicht, für den ist ein verantwortungsvoller und umweltschonender Umgang mit Plastik selbstverständlich. Das heißt

  • Refuse + Reduce: Plastik dort vermeiden, wo es möglich ist
  • Rethink + Replace: Ökologisch sinnvolle Werkstoffalternativen nutzen
  • Reuse + Recycle: Materialien in einem sauberen Stoffkreislauf halten, statt zu entsorgen oder nur zu „downcyclen“.

Und das gilt nicht nur für den Einzelnen, sondern insbesondere für die Produzenten von Produkten. Das Stichwort hier ist Circular Economy, Cradle to Cradle oder das Closed Loop Prinzip und meint auf deutsch etwas weniger fancy schlicht Kreislaufwirtschaft. So schlicht, so logisch: Denn statt einer linearen Wirtschaft, bei der der Lebenszyklus eines Produkts oft nach dem ersten Gebrauch in der Entsorgung endet, wird in einer zirkulären Wirtschaft bereits die Wiederverwertung des Produkts bzw. seiner Materialkomponenten im Design und der Produktion mitgedacht (siehe Abbildung: © BMU). Kurz gesagt: Das Produkt wird bereits von Beginn an so entwickelt, dass es keinen Müll erzeugt und idealerweise alle verwendeten Wertstoffe ein 2., 3. Leben bekommen. Die genutzten Rohstoffe sollten also entweder biologisch abbaubar sein und als Kohlenstoff, Wasser und Mineralien dem Kreislauf der Natur zurückgegeben oder bei nicht abbaubaren Materialien nach der Nutzung dem geschlossenen Materialkreislauf zurückgeführt werden können.

In der Theorie gibt es diese Gedanken schon lange, trotzdem sind wir von einer plastikmüllfreien Produktion noch weit entfernt. Grund zum Optimismus gibt es trotzdem: Auf institutioneller Ebene ist der Paradigmenwechsels hin zu einer Kreislaufwirtschaft langsam angekommen (siehe z.B. EU Circular Economy Action Plan) und auch die Forschung zu alternativen Werkstoffen macht große Fortschritte.

Mikroplastik
Leitbild Abfallpolitik Infografik
Quelle: BMU

Bioplastik als Alternative?

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Neben den traditionellen Werkstoffen wie Holz, Glas oder Metall spielen vor allem Biokunststoffe bei der Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft bzw. einer Plastikmüllfreien Produktion eine wichtige Rolle.

Für ein erstes Verständnis, was Biokunststoffe sind, lassen sie sich am besten folgendermaßen unterteilen: 

  • Viele Kunststoffe, die wir im Alltag nutzen, sind  Thermoplaste – Joghurtbecher, Plastiktüten oder PET-Flaschen sind prominete Beispiele hierfür.  Sie zeichnen sich durch ihr flexibles Material aus und lassen sich – deshalb der Name – durch Wärme/Hitze wieder verformen, da sie aus nur lose verbundenen Polymeren bestehen.

Duroplaste dagegen können durch Hitzezufuhr nicht wieder in ihrer Form verändert werden. Da sie aus sehr engverwobenen Molekülketten bestehen, bleibt dieser Kunststoff so hart und damit auch in der Form, in der er hergestellt wurde. Aufgrund ihrer Temperaturbeständigkeit sind Duroplasten oft Gehäuse für elektrische Geräte, Steckdosen oder Küchenmaschinen.

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  • Die dritte Sorte sind die Elastomere. Und auch hier ist der Name Programm. Sie lassen sich im Gegensatz zu den beiden anderen Gruppen verbiegen und sind sehr – ja genau – elastisch. Reifen, Matratzen oder auch die allgegenwärtigen Spülschwämme gehören dieser Gruppe an.
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Plastik ist ein Problem

So verlockend die vielen Vorteile von Plastik auch sind, seine besonderen Eigenschaften sind es auch, die Plastik zu einem der größten Umweltprobleme des Jahrtausends machen. Denn Plastik ist so beständig und resistent, dass es sich nicht ohne schädliche Folgen abbauen lässt. In Zahlen sieht dieses Dilemma so aus: Seit den 1950er Jahren wurden insgesamt 8,3 Mrd. Tonnen Plastik produziert[1]. Pro Jahr sind es derzeit 360 Mio. Tonnen[2] – mehr als die gesamte Weltbevölkerung aktuell wiegt (ca. 300 Mio. Tonnen). Und der Trend zeigt weiter nach oben: Knapp die Hälfte der gesamten Plastikproduktion stammt aus den letzten 20 Jahren (siehe Abbildung)[3].

Plastik-Planet
Plastik-Gefahren

6,3 Milliarden Tonnen Plastikmüll

In Abfallzahlen sind das inzwischen ca. 6,3 Mrd. Tonnen Plastikmüll. Nur neun Prozent davon sind im Recyclingkreislauf gelandet. Zwölf Prozent wurden verbrannt und 79 Prozent davon liegen auf oder in den Weltmeeren[1]. Um sich diese enormen Massen vorstellen zu können, hilft auch hier ein Vergleich: Ein gewöhnlicher Müllwagen kann im Schnitt zehn Tonnen Müll aufnehmen. Um den gesamten produzierten Plastikmüll zu transportieren, bräuchte es also 630 Mio. Müllwagen. Alle aneinandergereiht ergäben 6,3 Mio. Kilometer. Das ist fast achtmal so weit wie das gesamte deutsche Straßennetz mit seinen rund 830.000 Kilometern[2].

 Geschätzte 86 Mio. Tonnen Plastikmüll treiben als Plastikmüllstrudel bereits in den Weltmeeren. Und das werden sie noch sehr lange, wenn nicht für immer tun. Denn beispielsweise eine PET-Flasche bleibt mindestens 450 Jahre im Meer – und auch danach ist sie nicht weg, sondern hat sich durch Reibung und UV-Einfluss zu ebenfalls gefährlichem Mikroplastik (kleinste, unlösliche Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind) zersetzt. Weitere Details siehe Artikel zum Thema Mikroplastik.

Neben den Umweltschäden sind heute auch viele gesundheitliche Risiken bekannt:  Die schädlichen Wirkungen von Plastikbestandteilen reichen von einer Schwächung des Immunsystems, eine Verminderung der Fortpflanzungsfähigkeit, über Schäden an Nieren und Leber bis zur Verursachung von Krebserkrankungen (siehe Abbildung). Weitere Details siehe Artikel zum Thema Gesundheit

Das Klima leidet!

Und auch das Klima leidet unter dem Plastik-Boom: Die klimaschädlichen Emissionen – von der Herstellung bis zur Entsorgung von Plastik – sind enorm. Bei der Herstellung treten giftige chemische Gase aus und bei der Verbrennung von Plastik setzen die Brände giftige Stoffe wie Gase aus Blausäure, Kohlenstoffmonoxid, Chlorwasserstoff und Dioxinen frei, wenn diese Form der Entsorgung nicht in geeigneten Anlagen passiert. In Deutschland wird heute mehr als die Hälfte der Kunststoffabfälle verbrannt[1]. Gründe dafür sind vielfältig, unter anderem ist es günstiger als aufwändiges Recycling zudem sind viele Plastikabfälle verunreinigt und nicht recycelbar.

 Auch wenn Müllverbrennungsanlagen (MVA) hohe Abgasgrenzwerte einhalten müssen, können auch sie nicht alle Schadstoffe herausfiltern. Zudem entstehen durch diese thermische Verwertung klimaschädliche CO2-Emissionen und die wertvollen Rohstoffe gelangen so auch nicht zurück in den Kreislauf. Mehr dazu siehe Artikel zu Recycling.

Diese großen Schäden, die Plastik auf dem Planeten Erde anrichten, machen deutlich, dass es eine andere Antwort auf die Fragen und Bedürfnisse geben muss – für die Plastik heute die vermeintliche Lösung ist.

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  • Um das zu erreichen, bieten wir wissenschaftlich basierte Aufklärung, Beratung und ein breites Spektrum an Produkten und Dienstleistungen an.
  • Unser Ziel ist eine möglichst große,verantwortungsbewusste und selbstentschiedene Community, die vorbildhaft handelt 

Links:

[1] Geyer, Roland, Jambeck, Jenna R., Lavender Law, Kara: Production, use, and fate of all plastics ever made. In: Science Advances, Vol. 3, no. 7, 19.07.2017:E1700782
[2] Stand 2018. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/167099/umfrage/weltproduktion-von-kunststoff-seit-1950/ (April: 2020)
[3] Heinrich-Böll-Stiftung; BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (2019): Plastikatlas. Daten und Fakten über eine Welt voller Kunststoff. https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/plastikatlas-2019/ (21.04.2020)
[1] Geyer, R. et al: Production, use, and fate of all plastics ever made. In: Science Advances, Vol. 3, no. 7, 19.07.2017:E1700782
[2] BMVI: Längenstatistik der Straßen des überörtlichen Verkehrs, Stand: 1. Januar 2019, Ausgabe August 2019